Work in Progress - "Das Wolkenschiff"

Als ich an dieses Bild heranging, wusste ich, dass ich ein Segelschiff malen wollte. Allerdings war ich mir noch nicht im Klaren, wie die Szene um dieses Schiff herum aussehen sollte. Ich hatte mich weder auf einen bestimmten Hintergrund noch auf ein Setting festgelegt. Also musste ich das Schiff so malen, dass es auf einer extra Ebene sein würde, damit man es frei auf der Arbeitsfläche verschieben und einen beliebigen Hintergrund darunter setzen konnte. Daher fange ich bei diesem Bild nicht, wie es gewöhnlich der Fall wäre, mit dem Hintergrund an, sondern male gleich das Hauptobjekt.

Ich suchte mir über die Google Bilder-Suche ein geeignetes Schiff aus, um daraus eine grobe Skizze anzufertigen, da ich aus dem Kopf nicht die geringste Ahnung hatte, wie ein solches Schiff genau aussieht. Die gewählte Vorlage ist von dem Maler John Allco, der sein Gemälde "The Macquarie Leaving Sydney Heads" nannte.

Meine Bilder male ich immer auf einer Arbeitsfläche von 7016 x 4961 Pixel bei 300 Pixeln pro Zoll. Diese Größe entspricht DIN A 2.

Schritt 1:

Ich legte mir die Vorlage des Schiffes auf die linke Seite der Arbeitsfläche und malte dann auf der rechten Seite, auf einer separaten Ebene, mit einem dünnen Pinsel und 100% Deckkraft die Skizze (siehe Bild 1).

Bild 1
Bild 1

Schritt 2:

Anschließend legte ich unter der Skizzen-Ebene eine neue Ebene an und fing an, mit einem etwas größeren Pinsel die farbliche Grundierung anzulegen. Dabei geht man entweder frei aus dem Kopf vor, oder man wählt die Farben aus der Vorlage mit Hilfe der Pipette (I). Da ich ja am Ende ein frei verschiebbares Objekt haben wollte, hinter das ich einen beliebigen Hintergrund setzen kann, musste das Schiff überall 100% deckend sein, damit der Hintergrund später nicht durchscheint. Um dies zu überprüfen, legte ich hinter die Ebene mit der Grundierung eine neon-grüne Ebene an, um die Lücken in der Deckkraft besser erkennen zu können (Siehe Bild 2).

Bild 2
Bild 2

Ich füllte nun also die Lücken so, dass das Schiff überall 100%ig deckend war und nirgends das Grün von der hinteren Ebene hindurch schien.

Schritt 3:

Hier machte ich die Ebene mit der Skizze unsichtbar und fing an, zwischen den einzelnen Farben einen weicheren Übergang zu schaffen. Hierfür benutze ich eine bestimmte Technik, für die es sehr wichtig ist, dass man folgende zwei Tastenkürzel kennt: Farbpipette (I) und Pinsel (B).

Wenn ich also einen weichen Übergang zwischen zwei Farben hinbekommen möchte, dann wähle ich mit der Pipette eine der Farben aus und male mit einem sehr weichen Pinsel und einer Deckkraft von 20% auf der jeweils anderen Farbe. Dadurch entsteht eine Mischung beider Farben. Diese wiederum wähle ich nun wieder mit der Pipette aus und male weiter. Auf diese Weise wird ständig ein Zwischenton beider Farben ausgewählt und hin und her gemalt, bis der Übergang komplett ist. Durch diese Vorgehensweise wird nicht nur der Übergang geschaffen, sondern es werden automatisch neue Farben erstellt (Siehe Bild 3).

Bild 3
Bild 3

Nun also wandte ich dieses Prinzip auf die Grundierung des Schiffes an und das Ergebnis war folgendes (siehe Bild 4):

Bild 4
Bild 4

Schritt 4:

Da ich die Seile nicht freihand hinbekommen würde, ohne dass diese völlig krumm aussehen würden, zeichnete ich sie mit dem Zeichenstift-Werkzeug (P) vor, um sie später mit dem Pinsel nachzuzeichnen (siehe Bild 5). Das Ganze natürlich auf einer extra Ebene.

Bild 5
Bild 5

Schritt 5:

Nun war es an der Zeit, den endgültigen Farbanstrich zu setzen. Wie bereits in Schritt 3, geht es hier auch darum, einen noch weicheren Übergang zwischen den einzelnen Farbtönen zu schaffen und anschließend auch die Kanten und Konturen zu definieren. Überstehende Farben werden mit dem Radiergummi-Werkzeug (E) entfernt. Man arbeitet natürlich von hinten nach vorne, also zuerst die hinteren Segel und dann nach und nach die vorderen. Dieser Schritt ist der aufwendigste und zeitintensivste von allen. Bei diesem Bild hat es sehr lange gedauert und war teilweise etwas langweilig, so dass ich oftmals die Lust verlor. Hier muss man einfach dranbleiben und sich durchringen, wenn man ein gutes Ergebnis haben will. Die Spitze des Pinsels ist recht klein, um möglichst viele Details auszuarbeiten. Um das mögliche Überstehen von Farbresten besser überprüfen zu können, setzte ich einen schwarzen Hintergrund hinter das Schiff. An dieser Stelle kann man auch schon mal ausprobieren, ob das Schiff besser vor einem dunklen oder einem hellen Hintergrund aussehen würde. Das bisherige Ergebnis kann sich sehen lassen (Siehe Bild 6):

Bild 6
Bild 6

Schritt 6:

Dies ist nun der letzte Schritt am Schiff. Danach geht es an den Hintergrund. Hierbei malte ich mit dem Pinsel einfach die Seile nach. Dabei muss man natürlich darauf achten, welche Seile denn nun hinter und welche vor den Segeln verlaufen.

Schritt 7:

Im Verlauf der Arbeit an dem Schiff hatte ich nun eine Idee für den Hintergrund bekommen. Ich wollte das Schiff nicht einfach auf einem Gewässer platzieren, sondern wollte es im Himmel aus einer Wolke auftauchen lassen. Dazu malte ich erst einmal in groben Zügen den Hintergrund (Siehe Bild 7) auf einer Ebene unter dem Schiff:

Bild 7
Bild 7

Schritt 8:

Zunächst machte ich aus dem Hintergrund einen weichen Übergang, um dann anschließend auf einer neuen Ebene (über dem Schiff) die Wolken zu malen. Diese deutete ich erst einmal sehr grob an (Siehe Bild 8).

Bild 8
Bild 8

Schritt 9:

Nun wurden die Wolken noch etwas feiner gemalt und mit einer Wolkenstruktur versehen. Teilweise ist mir das einfach mit einem runden Pinsel gelungen, doch an manchen Stellen musste ich mir mit einem Wolken-Brush Abhilfe schaffen (Siehe Bild 9).

Bild 9
Bild 9

Schritt 10:

Als letztes positionierte ich das Schiff im Mittelpunkt des Bildes, vergrößerte es ein wenig, nahm einige Tonwert-Korrekturen vor, fügte weitere Details zu den Wolken hinzu und überprüfte, ob die Schattierungen richtig saßen. Hier das komplett fertige Bild (Siehe Bild 10):

Bild 10
Bild 10

Kommentare zu dieser Seite:

 
Montag, 12-12-11 16:19Sandra Fleischer

Ich habe die wirklich anschaulche Schritt-für-Schritt-Erläuterung mit großem Interesse gelesen. Vielen Dank dafür!

 
 

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