Über die Aufrichtigkeit des eigenen Blicks
Schon oft hörte ich manchen sagen, Liebe mache blind. Einer, der verliebt sei, sehe alles bloß verschleiert durch eine rosa Brille. Erst später, wenn die Verliebtheit nachlasse, so die große Volksweisheit, lerne man auch die schlechten Eigenschaften des Partners zu sehen.
Ein solcher Kommentar hat niemals jemandem viel genutzt, denn wohl kaum einer wird sich darüber beschweren, dass er einen anderen Menschen für perfekt erachtet, weil er gerade in ihn verliebt ist.
Erst später wird er womöglich klagen, dass er blind gewesen sein müsse, um die vermeintlichen Makel seines Partners zu übersehen. Man habe ihn doch gewarnt!
Ich werde niemals jemandem weismachen, Liebe könne ihn blind machen. Denn andere Menschen sind so wie man sie sieht. Es gibt keinen objektiven Blick. Betrachtet man jemanden mit einem liebenden Herzen, so ist diese Person wunderschön. Jede ihrer Eigenschaften ist vom Glanz der Vollkommenheit erfüllt.
Sieht man mit der Zeit immer mehr Makel in einem zuvor geliebten Menschen und führen diese Makel dazu, dass man die Partnerschaft auflösen möchte, so liegt es keineswegs daran, dass der angebliche Schleier der Verliebtheit diese Makel zuvor verborgen hätte. Es liegt vielmehr daran, dass man nicht mehr mit einem liebenden Herzen sieht.
Solange man jemanden mit einem liebenden Herzen betrachtet, wird dieser frei von allem Makel sein und selbst seine schwierigsten Eigenschaften werden seine Schönheit nicht zu mindern vermögen. Liebe macht nicht blind, sondern bringt die Schönheit eines jeden Menschen zum Vorschein.
(11.07.2010)
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