Über die Bedeutung von Freundschaft

Wenn ich so zurückdenke, dann merke ich, dass mit jeder Freundschaft, die ich in meinem Leben eingegangen bin, auch etwas Neues in mein Leben getreten ist. Jeder Mensch, der mir nahe stand – oder noch steht – hat mir dabei geholfen, mich weiter zu entwickeln, Ängste zu besiegen oder Hindernisse zu überwinden. Es muss so sein, dass man einem Menschen nie durch Zufall im Leben begegnet. Man muss sich immer fragen: „Wozu hat diese Person meinen Weg gekreuzt? Was will sie mich lehren?“

Leider habe ich zunächst nicht die ganze Wahrheit hinter dieser Erkenntnis erblicken können. Viele Freundschaften kommen und gehen. Ich hatte immer große Angst, dass die Menschen, die mich derart geprägt haben und mit denen ich so viel Schönheit erleben durfte, eines Tages einen anderen Weg wählen würden. Mir war, als würden sie all das wieder mit sich nehmen, was sie in mein Leben gebracht hatten.

Nun sehe ich die Dinge etwas anders. Die Menschen, zu denen ich einen besonderen Bezug spüre, sind gerade die, die in der Lage sind, mir zu zeigen wer ich bin. Es ist nicht so, dass Freundschaften bestimmte Dinge mit sich führen, die das eigene Leben bereichern. Viel eher bringen sie die Anteile zum Vorschein, die schon immer da waren. Bricht der Kontakt zu einem Menschen ab, weil man sich in verschiedene Richtungen weiterentwickelt hat, so hat keiner von beiden etwas verloren. Das, was ich von jemandem lernen konnte, wird mich auch dann noch prägen, wenn derjenige nicht mehr an meiner Seite ist.

Wenn ich sage „Du bedeutest mir viel!“, dann steckt darin die Aussage: „Du deutest auf viele Dinge hin, die ich ohne dich nicht gesehen hätte, die ich nun aber in der Lage bin zu sehen!“ Die Langlebigkeit einer Freundschaft oder Beziehung dürfte daher in großem Maße davon abhängig sein, wie vielseitig das Spiegelbild ist, das zwei Menschen einander bieten.

(18.06.2011)

Kommentare zu dieser Seite:

 
Dienstag, 28-06-11 17:35Denis

Lieber Nils,
hab Deinen Text über Freundschaft gelesen. Stimme Dir zu. Ich denke Du hast recht mit dem Wegekreuzen, Schicksalspfaden...lernen, lösen von "Lebensaufgaben". Für mich gibt es inzwischen viele "Arten" von Freundschaft. Alle haben natürlich einen Sinn, auch wenn man diesen nicht immer sofort erkennt. Und der gemeinsame Weg der geistigen Entwicklung, das fördern und fordern des Anderen auf Augenhöhe macht zwei oder mehr Menschen zu Weggefährten, die sich gegenseitig beschützen aber auch knall hart provozieren. Denn nur an den inneren und äüßeren Grenzen ist die Erweiterung des Bewusstseins möglich, ebenso wie die Menschen ins All und in die Tiefsee schauen und erst dann verstehen...und sich neu ansehen.
Lg, Denis

 
Samstag, 25-06-11 18:10Gerardo

No las lei a todas porque mi lectura en deutsch es siempre lenta. Pero es muy bueno y me llega mucho lo que voy leyendo. Siento un orgullo no vanidoso!

 
 

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